Warum tust du, was du tust?

Minimalismus ist im deutschsprachigen Raum weiter eine Art Randerscheinung. Das bedeutet aber auch: Man kennt sich untereinander, teilt viele Meinungen und schätzt sich. Ohne zu überlegen empfehle ich sofort jedem etwa die Blogs von Frau Ding Dong, Peter Hinzmann, Oliver Peiss, Marcel Philippe Rütschlin, Alex Rubenbauer und Thomas Bagusche – um nur ein paar zu nennen.

Bis gestern hätte ich hier nun ohne Zweifel auch den Blog „minimalkult“ erwähnt.
Ryan, seines Zeichens Autor eben dieses Blogs, hat sich jedoch dazu entschieden, seinen Blog nicht mehr weiterzuführen. Seine Entscheidung, vor allem aber seine absolut ehrlichen Worte über die Gründe seines Abschieds – die in meinen Augen den höchsten Respekt verdienen – brachten mich selbst zum nachdenken. Er schrieb:

(…) Bis vor kurzem habe ich hier noch darüber gebloggt, aber ich musste feststellen, dass es mehr als das hier nicht darüber zu sagen gibt und ich mich in Konsumkritik verlor – worum es gar nicht geht.

Das Blog raubte außerdem viel Zeit und (was noch schlimmer war) ich wühlte mich in der Rolle als Blogger unwohl, geht es doch eigentlich um ein völlig banales Thema: das Aufräumen. (…)

Ich denke, sich selbst einzugestehen, dass man manchmal nichts neues oder wirklich wertvolles über ein Thema zu sagen hat, ist bemerkenswert!

Rückblickend fallen mir auf Anhieb einige Situationen ein, in denen ich das Gegenteil getan habe. Momente, Zeiten, in denen ich etwa über etwas sprach, über das alles wertvolle gesagt war. Vielleicht auch, etwas erzählte, von dem ich noch zu wenig verstand. Vielleicht wusste ich es schon in diesen Situationen – doch ich wollte es mir nicht eingestehen.

Doch warum sprach ich dann darüber?

Ich denke, es ist ganz einfach: Ich sprach – um zu sprechen. Ich erzählte, um des Erzählens willen. Ich tat etwas, nur um des Tuns willen. Wahrscheinlich um den Genuss der Belohnung – in den meisten Fällen wohl Aufmerksamkeit – nicht zu gefährden.

Kennst du diese Situation? Hast du sie vielleicht selbst schon einmal irgendwann erlebt?

Ich denke, wenn du ganz ehrlich mit dir bist, wirst du jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit zustimmend nicken müssen.
Solltest du jedoch mit dem Kopf schütteln, möchte ich dich hiermit beglückwünschen – und mich dafür entschuldigen, dir mit diesem Artikel deine Zeit genommen zu haben!

Denn alles was ich dir mit auf den Weg geben will, ist diese eine kleine Frage:
„Warum tust du, was du tust?“

Es geht mir nicht darum, dass du ab sofort all deine Handlungen damit überprüfst. Noch geht es mir darum, dass du ab sofort nur noch über Dinge sprichst, von denen du überzeugt bist, uneingeschränkt neue und wertvolle Dinge berichten zu können.

Darüber hinaus ist es teilweise eine absolute Befreiung, manche Dinge nur zu tun, um sie zu tun!
Ich liebe es, eine Zeit lang nur zu atmen und mich ausschließlich darauf zu konzentrieren. Oder zu laufen und mich dabei nur auf mich, meinen Körper und die Umwelt zu konzentrieren. Es bringt mich in den Moment und hilft mir, diesen zu genießen. Wenn man so will, handle ich aber selbst dann so, um mich darauf zu konzentrieren und es zu genießen – und nicht bloß „um es zu tun“.

Worum es mir letztlich geht, ist, dass du diese Frage in Momenten einsetzt, in denen sich deine innere Stimme meldet.
Momente, in denen du dich ertappst, auf ein Ziel/eine Belohnung aus zu sein, egal, was du dafür tun musst. Momente, in denen dich der Wille nach Aufmerksamkeit, Rebellion oder Stolz treibt.

Denn wenn du es in diesen Momenten schaffst, dieser so einfachen Versuchung zu widerstehen, und du einfach du selbst bist – bringt es dir eine wahnsinnige Freiheit und Unabhängigkeit, dich auf die Dinge zu konzentrieren & zu besinnen, die dir wirklichen Wert und wahres Glück in deine Leben bringen.