Ich bin Maximalist!

Okay, es wird Zeit eine Sache endlich zu gestehen:
Ich bin kein Minimalist! Und war nie einer.

Zumindest nicht, wenn ich mein Leben nach den immer wiederkehrenden Maßstäben der Medien, der uninformierten Gegnern, über-kritischen Neu-Interessenten oder anderen „Experten“ beurteile.
Die anscheinend immer noch vorherrschende Definition zum Thema scheint in etwa so zu lauten:

Minimalismus bedeutet, so viele Dinge wie möglich loszuwerden, die übrig gebliebenen zu zählen und dann mit dieser Zahl hausieren zu gehen. Wer am wenigsten besitzt ist dann (Ober-)Minimalist.

Durch so etwas möchte ich mich nicht definieren.
Beim Minimalismus geht es um viel mehr, als es etwa im „Welt der Wunder“-Bericht dargestellt wird.
Es geht viel mehr um eine Philosophie dahinter – um mich abermals zu wiederholen.
Es geht um eine Lebenseinstellung.
Eine Lebens-Kunst.
Deshalb versuche ich es auf eine andere Weise zu erklären:

Ich bin Maximalist!

Mein Ziel ist das Maximieren meiner Lebensqualität. Das Maximieren des Genusses, den ich jeden Tag in mein Leben, in die kleinsten Dinge, bringen kann. Es geht um das Maximieren des Nutzens von Zeit, Raum und dem Leben an sich.

Darum geht es. Und eben nicht um das Wegwerfen von Dingen.
Ja, für mich persönlich und viele Andere war es der wichtige, vielleicht kritische erste Schritt, aber wozu denn? Der erste Schritt in welche Richtung?

Vielleicht eine aufgeräumte Wohnung, ein minimal-materielles Leben.
Aber das ist nicht das Ziel dahinter. Das „Problem“, das der Minimalismus angeht, liegt in den Auswirkungen der Dinge, der Ressourcen, die sie auf uns, die sie auf mich, haben.

Zugegeben: Natürlich bin ich in gewisser Weise „stolz“ darauf, mich von Dingen getrennt zu haben – ohne dabei irgendwelche „Schmerzen“ oder „Ängste“ zu spühren. Ja, es hat mir Freiheit, Zeit und Raum gegeben. Aber doch hauptsächlich psychisch. Es ist doch letztlich so:

Wenn dein Kopf voll ist, kann dir selbst die aufgeräumteste, minimalistischste Wohnung nicht weiterhelfen.

Denn dann geht es um deinen „Kern“. Dann geht es um die Motivation hinter deinem Handeln. Dann entscheidet sich, wohin du gehen möchtest, was du mit deinem Leben anstellen willst und wie du diese Dinge erreichen möchtest.

Deswegen: Hör auf dein Leben zu minimalisieren und suche danach erst einen Grund. Suche dir erst diesen Grund, dieses Ziel. Diese Motivation entscheidet darüber, wohin dein Weg geht. Sie hilft dir dort anzukommen, wo du hinmöchtest.

Wenn du dazu nichts aufräumen oder wegwerfen musst – umso besser!

Anstatt dir ein minimalistisches Ziel zu setzen – setze dir ein maximalistisches Ziel. Minimal-materialistisch – ja, aber niemals zum Schaden der Lebensqualität und des Erlebens. Definiere dich nicht durch deinen Besitz und vor allem auch nicht durch den Besitz, den du eben nicht brauchst! Definiere dich durch dein Selbst, deine Werte und Ideale.

Definiere dich durch deine Werte, deine Träume und deine Motivationen. Maximiere deine Lebensqualität, deinen Spaß.

Sei lieber ein Maximalist nach meiner Definition – als ein Minimalist im Sinne der vorherrschenden gesellschaftlichen Meinung.

Die wichtige Wahrheit über Minimalismus

Ein Minimalist besitzt höchstens 15 Dinge: 1 Laptop/PC, 1 Hose, 1 Shirt, 1 Pullover, 1 Jacke, 1 Mütze, 1 Paar Schuhe, 2 paar Unterwäsche, 2 paar Socken. Dazu noch jeweils 1 Messer, 1 Gabel, 1 Löffel, 1 Teller. Das war’s!
Jeder der mehr besitzt ist nie und nimmer Minimalist oder lebt ein aufs‘ Wesentliche begrenztes Leben!

Was ein Unsinn! Ich möchte das noch einmal betonen: Was. Ein. Unsinn!

Seitdem ich diesen Blog führe & von mir und meiner neuen Lebensart berichte, erhalte ich verschiedenste Reaktionen und Meinung zum Thema Minimalismus. Nahezu jede erachte ich als wert- und sinnvoll. Jedoch ist mir aufgefallen, wie sehr die allgemeine, erste Auffassung des Themas von der Realität abweicht.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel gerne zwei grundlegende Dinge klarstellen:
Erstens: Minimalismus definiert sich nicht durch die Zahl an Dingen, die man besitzt!
Zweitens: Beim Minimalismus geht es um viel mehr als bloßes „Wegwerfen & Aufräumen“!

Besonders beim Dreh meines Beitrags für RTL 2s „Welt der Wunder“ (Sendetermin: Sonntag, 22.Mai 2011, 17 Uhr) ist mir aufgefallen, wie einschlägig der erste Punkt in den Köpfen Einiger verankert zu sein scheint.

Das Team – um das kurz klarzustellen: ein unglaublich nettes, höfliches und sympathisches Fernsehteam! – schien nahezu verwundert darüber, dass ich mehr als 50 Dinge besitze! Und diesen Eindruck habe ich öfter. Manche Menschen scheinen verwundert zu sein, dass mein 14qm großes Zimmer nicht vollkommen leer steht – und ich mir den Luxus erlaube, manche Dinge wahrhaftig zu behalten.

Ja, es gibt „Strömungen“ des Minimalismus, die sich hauptsächlich auf das minimieren des materiellen Besitzes fokussieren. Zweifelsfrei interessante Menschen, die mit weniger als 100, 50 oder sogar 30 Dingen leben und es absolut genießen. Ich persönlich kann das auch gut nachvollziehen.

Nur wer möchte eine Grenze festsetzen? Wer kann eine objektive Grenze zwischen „normal“ und „minimalistisch“ ziehen?

Niemand kann es. Denn es handelt sich um eine rein subjektive Grenze. Nur man selbst weiß, was, realistisch gesehen, wirklich das Wichtigste ist – und was weg kann. Zudem geht es beim Minimalismus um kein gesellschaftliches Ziel – sondern die subjektive Veränderung des eigenen Lebens, um mehr Klarheit & Zufriedenheit für sich selbst zu erreichen.

Bei einem Studenten wie mir, in einem 14qm Zimmer einer WG, ist diese Grenze eine ganz andere als bei einer Mutter, die nicht nur 3 Kindern großzieht, sondern auch noch arbeiten geht. Vielleicht lebt dieser Mensch vielfach „minimalistischer“ – besitzt augenscheinlich aber trotzdem das Zehnfache meines Besitzes.

Ich denke, dass Punkt 1 damit erklärt ist. Kommen wir nun also zu meinem zweiten Anliegen.

Egal mit wem ich über das Thema spreche, viele Gesprächspartner begrenzen den Minimalismus auf das bloße minimieren des materiellen Besitzes.

Doch um ganz ehrlich zu sein: Wenn das alles ist, ist es dann nicht größenteils einfach nur eine – vielleicht extreme – Art des Aufräumens?

In meinen Augen ist Minimalismus aber viel mehr. Das Minimieren des Besitzes, das Beschränken auf das Wesentliche, ist nur die Spitze des metaphorischen Eisbergs. Unter der Oberfläche steckt der bei Weitem größere, bedeutendere und wichtigere Teil:
Die Philosophie.

Es geht darum, sein Leben aufzuräumen, es (neu) zu ordnen und dadurch zugleich Raum und Zeit zu schaffen. Doch wofür?

Das Ganze erscheint, ohne ein Ziel damit zu verfolgen, recht sinnfrei. Grundlos aufräumen macht vielleicht für einen Moment glücklich – mehr aber nicht. Das Ziel ist es jedoch, langfristig das Leben zu beeinflussen, zu verändern und positiver zu gestalten.

Der neue Raum, die neu gewonnene Zeit ist unsinnig, wenn sie nicht mit Leidenschaften, Wünschen, Träumen und Zielen gefüllt wird!

Deshalb geht es beim Minimalismus um eben dies.
Das Aufräumen und Ordnen bildet den wichtigen ersten Schritt. Es bringt Ordnung, Übersicht und Klarheit. Was dann folgen muss, ist aber der wichtigere zweite Schritt: Die neuen Ressourcen (den Raum & die Zeit) so zu nutzen, dass sie den größtmöglichen, positiven Effekt auf das Leben hat!

Minimalismus ist ein Weg zu einem erfüllteren Leben, dass selbst-definiert und von eigenen Idealen geprägt ist. Es schafft den Platz und die Zeit, die wir brauchen um uns selbst zu definieren, uns über Wünsche und Träume klar zu werden und diese dann auszuleben und umzusetzen.

Ein Weg, den ich nur jedem empfehlen kann.

Brauchen vs. Wollen – oder: Wach endlich auf!

Wie oft habe ich es mich sagen hören – wie oft höre ich es Leute in meiner Umgebung sagen:

„Ich brauche …. .“
Meist gefolgt von Wörtern wie „unbedingt“ oder „dringend“ & Attributen wie „neu“, „größer“ oder „besser“.
Du kannst oben gerne deine eigenen Wünsche eintragen.

Du denkst dir jetzt vielleicht:  „Moment! Wünsche? Das sind keine Wünsche, die ich habe – das sind notwendige Dinge, die ich nunmal zum Leben brauche!“

Achja?

Was habe ich nicht schon alles „gebraucht“! Unbedingt! Und sofort! Groß sollte es sein! Und am besten neu!

Ich brauchte einen großen Fernseher.
Die neuste Spielekonsole gleich dazu.
Und natürlich einen DVD/BR-Player – besser gleich mit Heimkino-System.
Außerdem natürlich Kleidung – immer wieder neu und dem Trend entsprechend.
Cds, DVDs und was nicht noch.
Und Bücher sowieso.
Verstaut werden die ganzen Dinge dann in der großen Wohnung, die ich natürlich brauche.
Und um die zu erreichen muss ein Auto her.
Am besten teuer, schick und sportlich. Oder doch lieber edel?
Hauptsache neu und pompös.

Du weißt, was ich meine.

Denn das schlimme ist nicht, dass wir bloß immer mehr „brauchen“ – sondern wir vergessen darüber hinaus oftmals, dass zu schätzen, was wir haben. Teilweise erkennen wir nicht einmal, in was für einem Luxus wir leben. Oder lassen uns von unserem Besitz einengen.
Angetrieben von Gesellschaft und Werbung „brauchen“ wir ständig mehr.

Wir verwechseln zu oft „brauchen“ mit „wollen“. Zu oft reden wir uns selbst ein, dass wir Dinge unbedingt brauchen, die (absolut) überflüssig für uns sind! (Du weißt, dass ich damit Recht habe.)
Wir kaufen Dinge, dir wir wollen – aber eigentlich garnicht brauchen. Nur warum?

Sicherlich mag es damit zusammenhängen, dass wir uns ein Image aufbauen wollen. Einen Ruf. Dass wir Andere um uns herum beeindrucken möchten oder was auch immer. Aber davon mal ganz abgesehen, gibt es wahrscheinlich einen weiteren Hauptgrund: Wir fühlen uns gut, wenn wir uns etwas Neues zulegen! Wir „bereichern“ unser Leben. Zumindest auf den ersten Blick.

Es ist diese „Belohnung“, dir wir als Konsumenten fühlen – die uns nicht realistisch zwischen Notwendigkeit und Wunsch unterscheiden lässt. Dabei geht ein Kauf nicht nur aufs‘ Geld, sondern kostet dich bei Weitem mehr! Es kostet dich oftmals dein kostbarstes Gut:

Zeit – und damit Freiheit!

Sei es aktiv (Wie lange sitzt du pro Tag vor deinem Fernseher und lässt dich berieseln?) oder passiv (Wie lange brauchst du um deine letzten 10 gekauften Dinge zu ordnen/aufzuräumen/zu säubern?). Wer weniger besitzt, muss weniger aufräumen und hat mehr Ordnung. Ich spreche aus Erfahrung. Aber selbst wenn du nichts loswerden möchtest, frage dich ganz ehrlich vor deinem nächsten Einkauf, warum du Dinge kaufen willst. Und denk dabei nicht nur an das Geld, sondern eben an die Zeit und die Freiheit, dir du gleichermaßen mit abgibst.

Wieso Zeit so wichtig ist? Dazu komme ich in einem anderen Artikel.
Für jetzt sei nur so viel gesagt: Du kannst mit deiner Zeit sicherlich mehr anfangen, als sie deinen Dingen, deinem Besitz, zu widmen. Sicherlich hast auch du Leidenschaften und Träume, die keine neue Anschaffung oder Geld erfordern – sondern einfach nur Zeit und Mut.

Ich persönlich habe mich von über 70% meines Besitzes getrennt und lebe mehr denn je – ohne Fernseher, ohne Spielekonsole, nur mit einem minimalen materiellen Luxus. Ich habe für mich erkannt, was mir wertvoll ist, was ich wirklich benötige (brauche) – und was letztlich überflüssiger Besitz war. Es kommt mir vor, als ob ich immer weniger brauche, je mehr ich mich auf mich und das Wesentliche besinne.

Anstatt also weiterhin dein Geld und deine Zeit in Dinge zu investieren – steck sie in dich und deine Entwicklung! Mach dir bewusst, dass wahrer Luxus nicht in Dingen steckt – sondern in dir. Lös dich zu Teilen von deinem Besitz und entdecke die Freiheit, die es mit sich bringt. Vorbei sind die Sorgen, du könntest Dinge verlieren, sie könnten kaputt gehen oder was auch immer. Entferne dich von falschen Notwendigkeiten und genieße deine Zeit stattdessen. Also, wach auf aus deinem Konsumenten-(Alb)Traum und fang an als Mensch das leben zu genießen!

Ich kann es dir nur empfehlen.

 

Wenn du selbst Erfahrungen gemacht hast oder gerade machst, die im Zusammenhang mit diesem Artikel oder dem Thema „Besitz“, „Konsum“ oder ähnlichen stehen – würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!