Neustart – Das Experiment

Heute Teil 2 und 3 der Podcast-Serie zum Thema „Umgang mit Besitz“. Dabei geht es zum einen um ein Experiment, das mir die Augen geöffnet hat und mein Leben radikal verändert hat. Zum Anderen fasse ich alle 3 Teile zusammen und ziehe eine kurze Bilanz.

So möchte ich dir die Chance geben, zumindest für eine Woche, den Lebensstil des Minimalismus kennenzulernen und zu erleben! Wie das geht – jetzt gleich und ganz ohne direkt sämtliche Dinge aus dem Fenster zu werfen?

Hör es dir an!

 

Ich wurde ausgeraubt!

Du kommst nach Hause, öffnest die Tür, spazierst in die Wohnung hinein & stellst fest, dass etwa drei Viertel deines kompletten Besitzes weg sind! Eine Horrorvorstellung!

So würde es wohl meinem Ich vom Anfang diesen Jahres gehen, wenn es jetzt in meine Wohnung kommen würde. Okay, ich wurde nicht über Nacht ausgeraubt oder um meine essentiellen Dinge erleichtert. Genauer gesagt, war ich höchstpersönlich derjenige, der sich dazu entschieden hat, sich auf mittlerweile weniger als 25% seines Besitzes zu begrenzen.

Was mit dem Rest passiert ist? Ganz einfach: Der ist weg. Verschenkt, verkauft oder gespendet.

Die Auswirkungen? Ich führe ein glücklicheres, freieres, zufriedeneres und ausgeglicheneres Leben – in dem nun endlich der Platz ist, um mich zu entfalten und meine Leidenschaften & Träume auszuleben.

Das Interessante? Ich vermisse diese Dinge nicht einmal! Unglaublich. Von jeden vier Dingen, die ich besessen habe, habe ich drei abgegeben – und doch geht es mir besser als zuvor & ich habe nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt.

Wieso? Weil ich für mich erkannt habe, was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist – und was nicht. Meine Leidenschaften, meine Träume, Ziele und Werte sind wichtig für mich. Durch diese Dinge definiere ich mich – nicht mehr durch meinen materiellen Besitz. Ich habe ein Leben voller Besitz, Unzufriedenheit und „Lärm“ gegen eines voller Freiheit und Zufriedenheit getauscht.

Nun, sicherlich liegt das nicht nur an dem Fakt, dass ich nun weniger Dinge besitze. Wie ich schon gesagt habe:
Ein minimalistisches Leben definiert sich durch weitaus mehr als  das Minimieren des materiellen Besitzes.

Doch hinter dem Ausmisten und Aufräumen steckt der oftmals entscheidende erste Schritt! Bevor wir uns entfalten und nach unseren tiefsten Wünschen und Träumen streben können, müssen wir Ordnung schaffen. Wir brauchen erst einmal Raum und Zeit um uns auszuleben!

Und damit möchte ich eine Erkenntnis vorstellen, die ich für sehr sehr wichtig halte – eine Erkenntnis, die viele Menschen ignorieren oder vielleicht auch nicht bemerken:
Neue Dinge kosten nicht nur Geld – sie kosten uns mindestens 2 weitere Ressourcen: Zeit und Platz!

Zeit etwa. Wenn wir Dinge aktiv nutzen (Bsp: Tv, Videokonsole, etc.) – aber auch wenn wir sie  anschaffen, pflegen, ordnen oder aufräumen.
Und Dinge brauchen Platz. Das klingt logisch. Wenn wir uns Dinge zulegen, dann müssen wir sie irgendwo unterbringen. Ich möchte es jedoch einmal etwas extremer ausdrücken: Wir brauchen kein großes Haus um unsere nötigsten Wünsche nach einem Dach über unserem Kopf, Wärme, einem Bett oder Ähnlichem zu stillen – wir leben in großen Wohnungen und Häusern, weil wir Platz für unsere Vielzahl an Dingen brauchen!

Und ganz ehrlich, wenn ich die Entscheidung habe, diese Ressourcen zu Teilen an meine (oft unnötigen) Dinge abzutreten – oder für mich selbst zu nutzen… Keine schwierige Entscheidung, oder?!

Versteh mich nicht falsch: Natürlich gibt es manche Dinge, die gekauft werden müssen. Aber das sind nur in etwa 20% derer, die wir tatsächlich kaufen! Der Rest wird gekauft, ich kenne es aus eigener Erfahrung, weil man Lust auf etwas Neues hat. Weil man Andere beeindrucken möchte. Weil man Status suggerieren möchte oder was auch immer.

Oder läuft es letztlich auf eine Entscheidung hinaus, die jeder Mensch für sich treffen muss.
Eine Entscheidung, die ich für mich treffen musste – und du nun für dich.
Wo liegt dein Fokus? Was möchtest du? Mehr Freiheit – oder mehr materiellen Besitz?

Mehr Zeit, Platz, Geld, Ordnung, Ruhe & Zufriedenheit gegen materielle Dinge zu tauschen, die mich einengen, die mich Zeit kosten und mir dabei oftmals nicht wirklich etwas bringen? Auch das war keine wirklich schwierige Entscheidung. Es war letztlich ein absoluter Segen, wenn man sich erst einmal die Frage gestellt hat & ehrlich darauf antwortet. Nun liegt es an dir.

Du oder dein materieller Besitz – was ist dir wichtiger?

 

Die wichtige Wahrheit über Minimalismus

Ein Minimalist besitzt höchstens 15 Dinge: 1 Laptop/PC, 1 Hose, 1 Shirt, 1 Pullover, 1 Jacke, 1 Mütze, 1 Paar Schuhe, 2 paar Unterwäsche, 2 paar Socken. Dazu noch jeweils 1 Messer, 1 Gabel, 1 Löffel, 1 Teller. Das war’s!
Jeder der mehr besitzt ist nie und nimmer Minimalist oder lebt ein aufs‘ Wesentliche begrenztes Leben!

Was ein Unsinn! Ich möchte das noch einmal betonen: Was. Ein. Unsinn!

Seitdem ich diesen Blog führe & von mir und meiner neuen Lebensart berichte, erhalte ich verschiedenste Reaktionen und Meinung zum Thema Minimalismus. Nahezu jede erachte ich als wert- und sinnvoll. Jedoch ist mir aufgefallen, wie sehr die allgemeine, erste Auffassung des Themas von der Realität abweicht.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel gerne zwei grundlegende Dinge klarstellen:
Erstens: Minimalismus definiert sich nicht durch die Zahl an Dingen, die man besitzt!
Zweitens: Beim Minimalismus geht es um viel mehr als bloßes „Wegwerfen & Aufräumen“!

Besonders beim Dreh meines Beitrags für RTL 2s „Welt der Wunder“ (Sendetermin: Sonntag, 22.Mai 2011, 17 Uhr) ist mir aufgefallen, wie einschlägig der erste Punkt in den Köpfen Einiger verankert zu sein scheint.

Das Team – um das kurz klarzustellen: ein unglaublich nettes, höfliches und sympathisches Fernsehteam! – schien nahezu verwundert darüber, dass ich mehr als 50 Dinge besitze! Und diesen Eindruck habe ich öfter. Manche Menschen scheinen verwundert zu sein, dass mein 14qm großes Zimmer nicht vollkommen leer steht – und ich mir den Luxus erlaube, manche Dinge wahrhaftig zu behalten.

Ja, es gibt „Strömungen“ des Minimalismus, die sich hauptsächlich auf das minimieren des materiellen Besitzes fokussieren. Zweifelsfrei interessante Menschen, die mit weniger als 100, 50 oder sogar 30 Dingen leben und es absolut genießen. Ich persönlich kann das auch gut nachvollziehen.

Nur wer möchte eine Grenze festsetzen? Wer kann eine objektive Grenze zwischen „normal“ und „minimalistisch“ ziehen?

Niemand kann es. Denn es handelt sich um eine rein subjektive Grenze. Nur man selbst weiß, was, realistisch gesehen, wirklich das Wichtigste ist – und was weg kann. Zudem geht es beim Minimalismus um kein gesellschaftliches Ziel – sondern die subjektive Veränderung des eigenen Lebens, um mehr Klarheit & Zufriedenheit für sich selbst zu erreichen.

Bei einem Studenten wie mir, in einem 14qm Zimmer einer WG, ist diese Grenze eine ganz andere als bei einer Mutter, die nicht nur 3 Kindern großzieht, sondern auch noch arbeiten geht. Vielleicht lebt dieser Mensch vielfach „minimalistischer“ – besitzt augenscheinlich aber trotzdem das Zehnfache meines Besitzes.

Ich denke, dass Punkt 1 damit erklärt ist. Kommen wir nun also zu meinem zweiten Anliegen.

Egal mit wem ich über das Thema spreche, viele Gesprächspartner begrenzen den Minimalismus auf das bloße minimieren des materiellen Besitzes.

Doch um ganz ehrlich zu sein: Wenn das alles ist, ist es dann nicht größenteils einfach nur eine – vielleicht extreme – Art des Aufräumens?

In meinen Augen ist Minimalismus aber viel mehr. Das Minimieren des Besitzes, das Beschränken auf das Wesentliche, ist nur die Spitze des metaphorischen Eisbergs. Unter der Oberfläche steckt der bei Weitem größere, bedeutendere und wichtigere Teil:
Die Philosophie.

Es geht darum, sein Leben aufzuräumen, es (neu) zu ordnen und dadurch zugleich Raum und Zeit zu schaffen. Doch wofür?

Das Ganze erscheint, ohne ein Ziel damit zu verfolgen, recht sinnfrei. Grundlos aufräumen macht vielleicht für einen Moment glücklich – mehr aber nicht. Das Ziel ist es jedoch, langfristig das Leben zu beeinflussen, zu verändern und positiver zu gestalten.

Der neue Raum, die neu gewonnene Zeit ist unsinnig, wenn sie nicht mit Leidenschaften, Wünschen, Träumen und Zielen gefüllt wird!

Deshalb geht es beim Minimalismus um eben dies.
Das Aufräumen und Ordnen bildet den wichtigen ersten Schritt. Es bringt Ordnung, Übersicht und Klarheit. Was dann folgen muss, ist aber der wichtigere zweite Schritt: Die neuen Ressourcen (den Raum & die Zeit) so zu nutzen, dass sie den größtmöglichen, positiven Effekt auf das Leben hat!

Minimalismus ist ein Weg zu einem erfüllteren Leben, dass selbst-definiert und von eigenen Idealen geprägt ist. Es schafft den Platz und die Zeit, die wir brauchen um uns selbst zu definieren, uns über Wünsche und Träume klar zu werden und diese dann auszuleben und umzusetzen.

Ein Weg, den ich nur jedem empfehlen kann.

Brauchen vs. Wollen – oder: Wach endlich auf!

Wie oft habe ich es mich sagen hören – wie oft höre ich es Leute in meiner Umgebung sagen:

„Ich brauche …. .“
Meist gefolgt von Wörtern wie „unbedingt“ oder „dringend“ & Attributen wie „neu“, „größer“ oder „besser“.
Du kannst oben gerne deine eigenen Wünsche eintragen.

Du denkst dir jetzt vielleicht:  „Moment! Wünsche? Das sind keine Wünsche, die ich habe – das sind notwendige Dinge, die ich nunmal zum Leben brauche!“

Achja?

Was habe ich nicht schon alles „gebraucht“! Unbedingt! Und sofort! Groß sollte es sein! Und am besten neu!

Ich brauchte einen großen Fernseher.
Die neuste Spielekonsole gleich dazu.
Und natürlich einen DVD/BR-Player – besser gleich mit Heimkino-System.
Außerdem natürlich Kleidung – immer wieder neu und dem Trend entsprechend.
Cds, DVDs und was nicht noch.
Und Bücher sowieso.
Verstaut werden die ganzen Dinge dann in der großen Wohnung, die ich natürlich brauche.
Und um die zu erreichen muss ein Auto her.
Am besten teuer, schick und sportlich. Oder doch lieber edel?
Hauptsache neu und pompös.

Du weißt, was ich meine.

Denn das schlimme ist nicht, dass wir bloß immer mehr „brauchen“ – sondern wir vergessen darüber hinaus oftmals, dass zu schätzen, was wir haben. Teilweise erkennen wir nicht einmal, in was für einem Luxus wir leben. Oder lassen uns von unserem Besitz einengen.
Angetrieben von Gesellschaft und Werbung „brauchen“ wir ständig mehr.

Wir verwechseln zu oft „brauchen“ mit „wollen“. Zu oft reden wir uns selbst ein, dass wir Dinge unbedingt brauchen, die (absolut) überflüssig für uns sind! (Du weißt, dass ich damit Recht habe.)
Wir kaufen Dinge, dir wir wollen – aber eigentlich garnicht brauchen. Nur warum?

Sicherlich mag es damit zusammenhängen, dass wir uns ein Image aufbauen wollen. Einen Ruf. Dass wir Andere um uns herum beeindrucken möchten oder was auch immer. Aber davon mal ganz abgesehen, gibt es wahrscheinlich einen weiteren Hauptgrund: Wir fühlen uns gut, wenn wir uns etwas Neues zulegen! Wir „bereichern“ unser Leben. Zumindest auf den ersten Blick.

Es ist diese „Belohnung“, dir wir als Konsumenten fühlen – die uns nicht realistisch zwischen Notwendigkeit und Wunsch unterscheiden lässt. Dabei geht ein Kauf nicht nur aufs‘ Geld, sondern kostet dich bei Weitem mehr! Es kostet dich oftmals dein kostbarstes Gut:

Zeit – und damit Freiheit!

Sei es aktiv (Wie lange sitzt du pro Tag vor deinem Fernseher und lässt dich berieseln?) oder passiv (Wie lange brauchst du um deine letzten 10 gekauften Dinge zu ordnen/aufzuräumen/zu säubern?). Wer weniger besitzt, muss weniger aufräumen und hat mehr Ordnung. Ich spreche aus Erfahrung. Aber selbst wenn du nichts loswerden möchtest, frage dich ganz ehrlich vor deinem nächsten Einkauf, warum du Dinge kaufen willst. Und denk dabei nicht nur an das Geld, sondern eben an die Zeit und die Freiheit, dir du gleichermaßen mit abgibst.

Wieso Zeit so wichtig ist? Dazu komme ich in einem anderen Artikel.
Für jetzt sei nur so viel gesagt: Du kannst mit deiner Zeit sicherlich mehr anfangen, als sie deinen Dingen, deinem Besitz, zu widmen. Sicherlich hast auch du Leidenschaften und Träume, die keine neue Anschaffung oder Geld erfordern – sondern einfach nur Zeit und Mut.

Ich persönlich habe mich von über 70% meines Besitzes getrennt und lebe mehr denn je – ohne Fernseher, ohne Spielekonsole, nur mit einem minimalen materiellen Luxus. Ich habe für mich erkannt, was mir wertvoll ist, was ich wirklich benötige (brauche) – und was letztlich überflüssiger Besitz war. Es kommt mir vor, als ob ich immer weniger brauche, je mehr ich mich auf mich und das Wesentliche besinne.

Anstatt also weiterhin dein Geld und deine Zeit in Dinge zu investieren – steck sie in dich und deine Entwicklung! Mach dir bewusst, dass wahrer Luxus nicht in Dingen steckt – sondern in dir. Lös dich zu Teilen von deinem Besitz und entdecke die Freiheit, die es mit sich bringt. Vorbei sind die Sorgen, du könntest Dinge verlieren, sie könnten kaputt gehen oder was auch immer. Entferne dich von falschen Notwendigkeiten und genieße deine Zeit stattdessen. Also, wach auf aus deinem Konsumenten-(Alb)Traum und fang an als Mensch das leben zu genießen!

Ich kann es dir nur empfehlen.

 

Wenn du selbst Erfahrungen gemacht hast oder gerade machst, die im Zusammenhang mit diesem Artikel oder dem Thema „Besitz“, „Konsum“ oder ähnlichen stehen – würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!