Notiz: Dies ist ein Gastbeitrag von Thomas Jakel. Thomas schreibt auf mobilerlifestyle.de über Möglichkeiten des mobilen Lebens, Reisen und Selbstverwirklichung.

Die erste Märzwoche 2010. Ich, das erste Mal mein eigener Chef. Was für ein wunderbares Gefühl!

Ich sitze motiviert an meinem Schreibtisch. Nun ja – fast.
Mit etwas Glück finde ich zwischen PC, Drucker, Faxgerät, Telefon, Monitor und unzähligen Ordnern noch Platz zum Arbeiten. Den Stapel Bücher – die ich zwar gekauft, aber bis heute nicht gelesen habe (und ich bezweifel, dass ich es jemals tun werde!) – kann ich gerade noch ausblenden. Aber spätestens bei der durch meinen Mülleimer und das Druckerpapier auf knapp 10cm begrenzte Beinfreiheit hört der Spaß auf!

Seitdem hat sich mein Office radikal verändert.
Wenn ich es brauche, stecke ich es in eine Umhängetasche und nehme es mit. Mein weißer EEE PC hat erstaunliche Akkulaufzeiten und passt in jede Umhängetasche. Von einem Büro, das voller Kram war, bin ich derzeit bei einem fast papierlosen Büro, das ich an jeden Ort der Welt mitnehmen kann.

Wie ich das gemacht habe & so ein halbes Jahr lang Urlaub in Brasilien machen konnte, ohne das es jemand gemerkt hat?

Ich erschuf mir eine virtuelle Infrastruktur und machte mich (fast) völlig unabhängig von lokaler Hardware!

Wie auch du das schaffen kannst? Hier ein paar kleine, leicht umzusetzende Schritte vom Monster-Office zum Taschenbüro:

  1. Ich besorge mir bei Sipgate eine Rufnummer mit Ortsvorwahl.
    Außerdem nehme ich noch eine Durchwahl für Fax Empfang und Versand dazu. Das ganze kostet ungefähr vier Euro im Monat. Telefon und Fax Hardware sind  somit eliminiert. Die VoiP Telefonnummer kann ich auf mein brasilianisches Mobiltelefon umleiten lassen, so dass ich unter meiner Berliner Festnetznummer zu erreichen bin – während ich in Brasilien am Strand Cocktails schlürfe.
  2. Ich ersetze den Scanner durch meine Kamera. Die Qualität recht absolut aus um meine Akten zu digitalisieren und es geht nebenbei noch schneller als mit dem Scanner.
    Ich digitalisiere alle Unterlagen, die ich unterwegs gebrauchen könnte und lege sie in entsprechenden Ordnern ab. Die Ordner mit den Papierunterlagen landen im Schrank. Von nun an werde ich einmal monatlich sämtliche eingehenden Bescheide und Unterlagen abfotografieren und abheften. Anstatt dicker Ordner im Schrank, benötige ich nur noch einen Ordner auf meinem Desktop – wundervoll!
  3. Ich hole mir einen Dropbox-Account.
    (Wenn Du noch keinen hast, hol Dir einen! Du kannst ihn garantiert gebrauchen!)
    Dropbox synchronisiert Dateien automatisch zwischen verschiedenen Geräten, auf denen du Dropbox installiert hast. Du hast außerdem die Möglichkeit, Ordner mit Freunden zu teilen und von überall auf der Welt via Internet auf deine Daten zuzugreifen.
    Also lade ich sämtliche private Dateien, einschließlich der gescannten Dokumente, in meinen Dropbox-Ordner. Zugang zu den wichtigsten Dokumenten von überall auf der Welt. So stelle ich mir das vor!
  4. Mein Kalender muss gehen. Sämtliche Geburtstage und  Termine wandern in meinen Google Kalender – den alten werfe ich weg. Aus materiellem wird digitaler Besitz. Aus Besitz wird Ordnung.
  5. Ein Ebook-Reader ersetzt einen Großteil meiner Bücher auf Reisen. Kiloweise Papier mit sich herumzuschleppen ist heutzutage einfach nicht mehr notwendig, wenn man mit möglichst wenig Gepäck reisen möchte und einem Erlebnisse wichtiger sind als Besitz.

Allein diese kleinen aber entscheidenden Veränderungen haben mein (Business-)Leben radikal geändert.
Ich war wochenlang im Amazonasgebiet unterwegs und obwohl ich die gesamte Zeit als Geschäftsführer eines Berliner Start-Up’s tätig war, haben weder meine Mitarbeiter noch Kunden dies bemerkt.

Die oben beschriebenen Anpassungen mögen auf den ersten Blick vielleicht nicht sehr bedeutend erscheinen. Dennoch kenne ich viele Leute, die wie ich zuvor, so sehr auf die Hardware in ihrer Arbeitsumgebung angewiesen sind, dass sie sich nicht vorstellen können, tatsächlich  mobil zu arbeiten.

Aber nicht nur das:
Letztendlich hat mich meine ursprüngliche Arbeitsumgebung nicht nur davon abgehalten mobil zu arbeiten, sondern auch effektiv und produktiv zu sein. Ich konnte mich an meinem Schreibtisch weder konzentrieren – noch entspannen.

Die minimalisierte Arbeitsumgebung erlaubt mir dort zu arbeiten, wo ich mich wohl fühle – ob in meiner Wohnung in Berlin oder an einem Strand in Brasilien.

Egal ob man, wie ich, mobil arbeiten möchte oder einfach nur motivierter, effektiver und produktiver sein möchte:
Ein “minimalisiertes” Büro ist ein wahrer Befreiungsschlag, eine große Hilfe – und Weniger auf jeden Fall Mehr!

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  • http://www.der-rauhe-stein.de Jan

    Guter Artikel mit sinnvollen Tipps. Insbesondere Dropbox ist ein einfach unverzichtbares Tool.
    Leider ist das meiste bisher nur für Selbstständige oder sehr unabhängige Arbeitnehmer umzusetzen.
    Aber auch da besteht Hoffnung,zumindest für manche, wenn man sich mal in Nachhaltiges Personalmanagement und Work-Life-Balance einliest, wird man feststellen, daß auch Unternehmen sich immer mehr damit beschäftigen.
    In meinem Unternehmen nennt man das “Telearbeit” und das ist so spaßig, wie es klingt ;-)

    • http://mrminimalist.com Sebastian

      Hallo Jan,

      Danke für deinen Kommentar!
      Du hast absolut recht – Selbstständige haben es da einfacher.
      Aber vielmehr geht es hier um ein “Ideal”, welches sich jeder Angestellte, Freelancer, etc.
      zumindest für sich setzen kann – wenn er/sie das möchte.

      Das klingt gut. Viele Firmen machen so etwas noch nicht.
      Aber es wird sich hoffentlich in den nächsten Jahren mehr und mehr etablieren.

      Beste Grüße,
      Sebastian

  • http://mobilerlifestyle.de Thomas Jakel

    Hi Jan,

    danke für Dein Kommentar. Ich gebe Dir in allen Punkten absolut Recht. Vieles in meinem Artikel bezieht sich direkt auf Selbständige oder sehr unabhängige Arbeitnehmer.

    Aber wie Du schon sagtest. Diese werden immer mehr. Und die Möglichkeiten, die uns die Infrastruktur, die ich oben beschreibe gibt, macht es auch Arbeitgebern leichter Mitarbeiter aus dem Home Office arbeiten zu lassen.

  • Pingback: Hier ist eine Methode die Dir hilft Dein Office in einem Rucksack zu transportieren | Mobil leben und arbeiten

  • chris

    Jetzt fehlt nur noch ein Service, zu dem man seine print-post umleiten kann, wo sie eingescannt und gemailt werden kann. In USA gibts das schon.

    Ich habe mein Büro inzwischen fast komplett auf iPad umgestellt. Natürlich hab ich da auch schon alle meine Bücher drauf. Büro+Bibliothek=iPad, eigentlich unfassbar. E gibt nur noch eine einzige PC-Windows–Software, die ich ab und zu benutzen muss, aber ich werde diese Aufgabe komplett outsourcen, dann kann ich ausschliesslich mit iPad unterwegs sein. Und falls ich dieses mal verliere: alles, was ich benoetige, lagert in Google Docs, Dropbox etc.

    Fuer mich war Tim Ferriss “4 hour workweek” auch eine grosse Inspiration – das hat mich vor 4 Jahren auf den Weg gebracht, Ballast abzuwerfen, und zu reduzieren.

  • sebastian

    Das klingt ja alles super – aber leider auch ein klein wenig naiv. Macht ihr euch Gedanken darüber, was mit euren Daten bei kostenlosen Webservices passiert? Wie sicher diese dort sind? Was eure Kunden davon halten, wenn komplette Geschäftsprozesse im Netz liegen?
    Was passiert wenn ihr Informationen braucht, Dropbox aber nicht erreichbar ist? Wenn die Daten dort leider wegen technischer Probleme verschwinden? Wenn google beschließt, seinen kostenlosen Kalender-Service (mit entsprechender “Zusicherung” des Betriebs) einzustellen?

    Und wenn ich das oben richtig verstehe braucht man ja auch, wenn man die Punkte befolgt, noch den Schrank mit den “Originalen” aus der alten Welt. Nur dass man den nicht dabeihaben muss. Ob das jetzt wirklich so revolutionär ist (auch weil man ja wohl noch jemanden braucht, der einem die Geschäftspapiere die einen in Berlin errreichen fotograhiert und abheftet, damit man sie in Brasilien am Strand anschauen kann [hey, vielleicht mal einen Dienstleister dafür gründen, ist doch egal wenn jeder meine Post liest]) weiß ich nicht, ich kann mir aber eine unglaubliche Vielzahl “spießiger” Geschäftsmodelle vorstellen, für die das mehr als nur das aus wäre.

    nichts für ungut
    sebastian

    • chris

      Sebastian, naiv bst nur Du. Ich lebe genau so, seit 4 Jahren. Funktioniert bestens. Ich lebe, wo ich will. Meine Daten sind vielfach gesichert. Meine Google Daten sind von Backify gesichert und liegen zusätzlich auf Amazon Servern. (wobei diese mehrfach Absicherung bei Google nicht mal erforderlich ist. Google sichert selbst mehrfach ab). Zuhause liegen sie viel unsicherer als in Dropbox. Ich habe auch nicht das geingste Problem damit, wenn andre meine Post einscannen. Aber das meiste bekomm ich sowieso schon ausschliesslich per e-mail.

  • Tobi

    Hi,
    ich habe mit dem Studium und allem einfach das Gefühl gehabt, dass ich mich zu sehr einenge, meine eigenen Talente beschneide, noch weniger produktiv bin und in dem Sinne wenig Spaß am Leben habe. Mein erster Schritt war interessanter Weise auch auf mein “digitales” Leben bezogen. Ständiges suchen nach Daten auf meinem “Kleinen” (netbook) oder auf meinem Desktop hatte ich satt. Also habe ich nach einem entsprechenden Dienst gesucht und bin auf Windows Live gestoßen (25GB, kostenlos, evtl etwas sicherer als die dropbox, synchronisieren geht auch) und bin jetzt auf dem Weg der Besserung :-)
    @Sebastian: Man hat den Inhalt der Dropbox ja auch auf dem Rechner. Kann also zu jeder Zeit darauf zu greifen!