Die wichtige Wahrheit über Minimalismus

Ein Minimalist besitzt höchstens 15 Dinge: 1 Laptop/PC, 1 Hose, 1 Shirt, 1 Pullover, 1 Jacke, 1 Mütze, 1 Paar Schuhe, 2 paar Unterwäsche, 2 paar Socken. Dazu noch jeweils 1 Messer, 1 Gabel, 1 Löffel, 1 Teller. Das war’s!
Jeder der mehr besitzt ist nie und nimmer Minimalist oder lebt ein aufs‘ Wesentliche begrenztes Leben!

Was ein Unsinn! Ich möchte das noch einmal betonen: Was. Ein. Unsinn!

Seitdem ich diesen Blog führe & von mir und meiner neuen Lebensart berichte, erhalte ich verschiedenste Reaktionen und Meinung zum Thema Minimalismus. Nahezu jede erachte ich als wert- und sinnvoll. Jedoch ist mir aufgefallen, wie sehr die allgemeine, erste Auffassung des Themas von der Realität abweicht.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel gerne zwei grundlegende Dinge klarstellen:
Erstens: Minimalismus definiert sich nicht durch die Zahl an Dingen, die man besitzt!
Zweitens: Beim Minimalismus geht es um viel mehr als bloßes „Wegwerfen & Aufräumen“!

Besonders beim Dreh meines Beitrags für RTL 2s „Welt der Wunder“ (Sendetermin: Sonntag, 22.Mai 2011, 17 Uhr) ist mir aufgefallen, wie einschlägig der erste Punkt in den Köpfen Einiger verankert zu sein scheint.

Das Team – um das kurz klarzustellen: ein unglaublich nettes, höfliches und sympathisches Fernsehteam! – schien nahezu verwundert darüber, dass ich mehr als 50 Dinge besitze! Und diesen Eindruck habe ich öfter. Manche Menschen scheinen verwundert zu sein, dass mein 14qm großes Zimmer nicht vollkommen leer steht – und ich mir den Luxus erlaube, manche Dinge wahrhaftig zu behalten.

Ja, es gibt „Strömungen“ des Minimalismus, die sich hauptsächlich auf das minimieren des materiellen Besitzes fokussieren. Zweifelsfrei interessante Menschen, die mit weniger als 100, 50 oder sogar 30 Dingen leben und es absolut genießen. Ich persönlich kann das auch gut nachvollziehen.

Nur wer möchte eine Grenze festsetzen? Wer kann eine objektive Grenze zwischen „normal“ und „minimalistisch“ ziehen?

Niemand kann es. Denn es handelt sich um eine rein subjektive Grenze. Nur man selbst weiß, was, realistisch gesehen, wirklich das Wichtigste ist – und was weg kann. Zudem geht es beim Minimalismus um kein gesellschaftliches Ziel – sondern die subjektive Veränderung des eigenen Lebens, um mehr Klarheit & Zufriedenheit für sich selbst zu erreichen.

Bei einem Studenten wie mir, in einem 14qm Zimmer einer WG, ist diese Grenze eine ganz andere als bei einer Mutter, die nicht nur 3 Kindern großzieht, sondern auch noch arbeiten geht. Vielleicht lebt dieser Mensch vielfach „minimalistischer“ – besitzt augenscheinlich aber trotzdem das Zehnfache meines Besitzes.

Ich denke, dass Punkt 1 damit erklärt ist. Kommen wir nun also zu meinem zweiten Anliegen.

Egal mit wem ich über das Thema spreche, viele Gesprächspartner begrenzen den Minimalismus auf das bloße minimieren des materiellen Besitzes.

Doch um ganz ehrlich zu sein: Wenn das alles ist, ist es dann nicht größenteils einfach nur eine – vielleicht extreme – Art des Aufräumens?

In meinen Augen ist Minimalismus aber viel mehr. Das Minimieren des Besitzes, das Beschränken auf das Wesentliche, ist nur die Spitze des metaphorischen Eisbergs. Unter der Oberfläche steckt der bei Weitem größere, bedeutendere und wichtigere Teil:
Die Philosophie.

Es geht darum, sein Leben aufzuräumen, es (neu) zu ordnen und dadurch zugleich Raum und Zeit zu schaffen. Doch wofür?

Das Ganze erscheint, ohne ein Ziel damit zu verfolgen, recht sinnfrei. Grundlos aufräumen macht vielleicht für einen Moment glücklich – mehr aber nicht. Das Ziel ist es jedoch, langfristig das Leben zu beeinflussen, zu verändern und positiver zu gestalten.

Der neue Raum, die neu gewonnene Zeit ist unsinnig, wenn sie nicht mit Leidenschaften, Wünschen, Träumen und Zielen gefüllt wird!

Deshalb geht es beim Minimalismus um eben dies.
Das Aufräumen und Ordnen bildet den wichtigen ersten Schritt. Es bringt Ordnung, Übersicht und Klarheit. Was dann folgen muss, ist aber der wichtigere zweite Schritt: Die neuen Ressourcen (den Raum & die Zeit) so zu nutzen, dass sie den größtmöglichen, positiven Effekt auf das Leben hat!

Minimalismus ist ein Weg zu einem erfüllteren Leben, dass selbst-definiert und von eigenen Idealen geprägt ist. Es schafft den Platz und die Zeit, die wir brauchen um uns selbst zu definieren, uns über Wünsche und Träume klar zu werden und diese dann auszuleben und umzusetzen.

Ein Weg, den ich nur jedem empfehlen kann.