Brauchen vs. Wollen – oder: Wach endlich auf!

Wie oft habe ich es mich sagen hören – wie oft höre ich es Leute in meiner Umgebung sagen:

„Ich brauche …. .“
Meist gefolgt von Wörtern wie „unbedingt“ oder „dringend“ & Attributen wie „neu“, „größer“ oder „besser“.
Du kannst oben gerne deine eigenen Wünsche eintragen.

Du denkst dir jetzt vielleicht:  „Moment! Wünsche? Das sind keine Wünsche, die ich habe – das sind notwendige Dinge, die ich nunmal zum Leben brauche!“

Achja?

Was habe ich nicht schon alles „gebraucht“! Unbedingt! Und sofort! Groß sollte es sein! Und am besten neu!

Ich brauchte einen großen Fernseher.
Die neuste Spielekonsole gleich dazu.
Und natürlich einen DVD/BR-Player – besser gleich mit Heimkino-System.
Außerdem natürlich Kleidung – immer wieder neu und dem Trend entsprechend.
Cds, DVDs und was nicht noch.
Und Bücher sowieso.
Verstaut werden die ganzen Dinge dann in der großen Wohnung, die ich natürlich brauche.
Und um die zu erreichen muss ein Auto her.
Am besten teuer, schick und sportlich. Oder doch lieber edel?
Hauptsache neu und pompös.

Du weißt, was ich meine.

Denn das schlimme ist nicht, dass wir bloß immer mehr „brauchen“ – sondern wir vergessen darüber hinaus oftmals, dass zu schätzen, was wir haben. Teilweise erkennen wir nicht einmal, in was für einem Luxus wir leben. Oder lassen uns von unserem Besitz einengen.
Angetrieben von Gesellschaft und Werbung „brauchen“ wir ständig mehr.

Wir verwechseln zu oft „brauchen“ mit „wollen“. Zu oft reden wir uns selbst ein, dass wir Dinge unbedingt brauchen, die (absolut) überflüssig für uns sind! (Du weißt, dass ich damit Recht habe.)
Wir kaufen Dinge, dir wir wollen – aber eigentlich garnicht brauchen. Nur warum?

Sicherlich mag es damit zusammenhängen, dass wir uns ein Image aufbauen wollen. Einen Ruf. Dass wir Andere um uns herum beeindrucken möchten oder was auch immer. Aber davon mal ganz abgesehen, gibt es wahrscheinlich einen weiteren Hauptgrund: Wir fühlen uns gut, wenn wir uns etwas Neues zulegen! Wir „bereichern“ unser Leben. Zumindest auf den ersten Blick.

Es ist diese „Belohnung“, dir wir als Konsumenten fühlen – die uns nicht realistisch zwischen Notwendigkeit und Wunsch unterscheiden lässt. Dabei geht ein Kauf nicht nur aufs‘ Geld, sondern kostet dich bei Weitem mehr! Es kostet dich oftmals dein kostbarstes Gut:

Zeit – und damit Freiheit!

Sei es aktiv (Wie lange sitzt du pro Tag vor deinem Fernseher und lässt dich berieseln?) oder passiv (Wie lange brauchst du um deine letzten 10 gekauften Dinge zu ordnen/aufzuräumen/zu säubern?). Wer weniger besitzt, muss weniger aufräumen und hat mehr Ordnung. Ich spreche aus Erfahrung. Aber selbst wenn du nichts loswerden möchtest, frage dich ganz ehrlich vor deinem nächsten Einkauf, warum du Dinge kaufen willst. Und denk dabei nicht nur an das Geld, sondern eben an die Zeit und die Freiheit, dir du gleichermaßen mit abgibst.

Wieso Zeit so wichtig ist? Dazu komme ich in einem anderen Artikel.
Für jetzt sei nur so viel gesagt: Du kannst mit deiner Zeit sicherlich mehr anfangen, als sie deinen Dingen, deinem Besitz, zu widmen. Sicherlich hast auch du Leidenschaften und Träume, die keine neue Anschaffung oder Geld erfordern – sondern einfach nur Zeit und Mut.

Ich persönlich habe mich von über 70% meines Besitzes getrennt und lebe mehr denn je – ohne Fernseher, ohne Spielekonsole, nur mit einem minimalen materiellen Luxus. Ich habe für mich erkannt, was mir wertvoll ist, was ich wirklich benötige (brauche) – und was letztlich überflüssiger Besitz war. Es kommt mir vor, als ob ich immer weniger brauche, je mehr ich mich auf mich und das Wesentliche besinne.

Anstatt also weiterhin dein Geld und deine Zeit in Dinge zu investieren – steck sie in dich und deine Entwicklung! Mach dir bewusst, dass wahrer Luxus nicht in Dingen steckt – sondern in dir. Lös dich zu Teilen von deinem Besitz und entdecke die Freiheit, die es mit sich bringt. Vorbei sind die Sorgen, du könntest Dinge verlieren, sie könnten kaputt gehen oder was auch immer. Entferne dich von falschen Notwendigkeiten und genieße deine Zeit stattdessen. Also, wach auf aus deinem Konsumenten-(Alb)Traum und fang an als Mensch das leben zu genießen!

Ich kann es dir nur empfehlen.

 

Wenn du selbst Erfahrungen gemacht hast oder gerade machst, die im Zusammenhang mit diesem Artikel oder dem Thema „Besitz“, „Konsum“ oder ähnlichen stehen – würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!